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Outing- eine Mama erzählt

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Outing- eine Mama erzählt

Photo: Foundry (CC0), Pixabay

Outing- eine Mama erzählt

Als Mama kennt man sein Kind bis in die kleinste Faser seiner Haut. Schließlich trägt man es neun Monate unter dem Herzen. Unsere Liebe sollte bedingungslos sein, egal wen unser Kind liebt.

In Zeiten von “Love is Love”, der wunderbaren Möglichkeit, dass auch gleichgeschlechtliche Paare sich das “Ja” Wort geben können und sich vor dem Gesetz als Ehepaar bezeichnen dürfen, sollten wir meinen, dass es in allen Köpfen angekommen ist. Liebe ist bunt, dabei ist es egal, wen wir lieben.

Unsere Eltern sind da eine andere Generation, aber selbst meine Mama hat eine wunderbare Meinung dazu bekommen. Ich bin ein Kind der DDR, und ob du es glaubst oder nicht, ich wusste nicht, dass es Homosexualität gab. So etwas wurde in der DDR unterdrückt, genauso wie es gläubige Menschen so gut wie nicht gab.

Jede Frau braucht einen schwulen Mann

In meinem Beruf sind schwule Männer nicht wegzudenken. Ich liebe sie, ich arbeite gerne mit ihnen zusammen. Wir können über Mädchenthemen reden, ihre weibliche, oftmals sensible Ader ist wunderbar ausgeprägt. Schon mal mit einem heterosexuellen Mann über die “Must haves” in der Kosmetikindustrie gesprochen? Eher nicht. Jede Frau muss einen schwulen Freund haben, denn im Gegensatz zu manch heterosexuellem Mann zeigen sie ihre Emotionen und sind sehr einfühlsam.

Ein langer Weg

Aber es geht leider oftmals auch sehr oberflächlich zu. Der Weg zum Outing ist sicherlich nicht einfach. Für mich als Mama stand und steht fest, meine Tochter darf lieben, wen sie möchte, egal ob Mann oder Frau. Sie ist mein Kind und wird es immer bleiben.

Wie gehen aber andere Mütter damit um? Wann bemerken sie es? Wie haben sie ihrem Kind vermittelt, dass es normal und okay ist, einen gleichgeschlechtlichen Partner zu lieben?

Diese Fragen beschäftigen mich schon lange. Wir sollten endlich aufhören, in Schubladen zu denken, denn “Love is Love”.

Eine wundervolle Mama namens Sibylle und ihr Sohn Janis haben sich bereit erklärt, ihre Geschichten zu erzählen. Die Geschichte zeigt, wie eng die Bindung zwischen Eltern und Kind sein sollte und wie feinfühlig wir Mütter doch sind. Vielen Dank, dass ihr so offen und ehrlich gesprochen habt!

Ein ehrliche und emotionale Geschichte

Mein Name ist Sibylle, ich bin Mama von 3 Kindern. Mein Sohn Janis war ein fröhliches, aufgewecktes Kind, sehr beliebt im Kindergarten. Unser Freundeskreis mit anderen Kindern war sehr groß, wir hatten sogar eine eigene Krabbelgruppe. Kurzum, Janis war umgeben von vielen anderen Kindern und entwickelte sich prächtig.

Dass etwas “anders” zu sein schien, bemerkte die Lehrerin als Janis zur Schule kam. Sie erzählte mir, dass Janis auffällig war, nur stören würde. Ich sollte bitte einen Kinderpsychologen aufsuchen und abklären lassen, ob ihre Vermutung, er habe ADHS, sich bewahrheiten würde. Meine Reaktion: “Die spinnt”. Ich konnte mir das alles nicht erklären, Janis war ein aufgewecktes Kind, welches mit großer Begeisterung die Welt entdeckte.

Ärzte und ihre vorschnellen Diagnosen

Er und ADHS? Niemals. Er war fürsorglich, besonders im Umgang mit seiner großen Schwester. Janis vergötterte sie förmlich. Zu Hause ein völlig normal entwickeltes Kind, in der Schule ein Kind, das ständig störte? Da passte etwas nicht zusammen. Aber als Mama war es mir wichtig, einen Experten aufzusuchen, um abklären zu lassen, was mit Janis los sei.

Er musste einige Tests machen, die ergaben, dass er einen hohen IQ hatte und schlichtweg unterfordert war. Schön, wenn vermeintliche pädagogische Fachkräfte ein Kind analysieren und sofort eine Diagnose stellen.

Der Psychologe stellte außerdem fest, dass Janis eine extrem enge Bindung zu seiner Mama also mir hatte, den sogenannten Ödipuskomplex.  Zu diesem Zeitpunkt fiel mir nur auf, dass Janis sich am liebsten mit Mädchen traf, sowohl in der Schule, als auch bei uns zu Hause.

Mamas und ihre feinen Antennen

Als Mama spürt man einfach, was mit seinem Kind passiert, wo die Reise hingeht, in jeder Hinsicht. Als Janis 8 Jahre alt war, äußerte ich meine Vermutung seinem Papa gegenüber, dass unser Sohn später wohl weder Mädchen noch Enkelkinder bringen wird.

Ich fühlte es einfach, dass er sich für Jungs und Männer entscheiden wird. Ich war und bin seine Mama, und das bleibe ich für immer. Ich bekam noch ein drittes Kind, meine Gefühle und Gedanken waren im Hinterkopf. Aber ich machte mir keine Sorgen um Janis. Warum auch? Er war so ein unkomplizierter, aufgeweckter Junge, der Spaß am Leben und Großwerden hatte.

Wenn ich ihn auf eine sehr enge Freundin ansprach, wie toll sie doch zusammenpassen würden, merkte ich, dass Janis zwar gerne mit ihr befreundet war, aber nicht mit ihr “gehen” wollte. Es gab einfach keine Annäherungsversuche und Erkundungen für das andere Geschlecht.

Das letzte Mal als Familie

Es gab  2009 noch einen letzten, gemeinsamen Familienurlaub, bevor Janis´ Vater und ich uns voneinander trennten. Wir wollten einfach ein letztes Mal als Familie zusammen verreisen. Da wurde mir klar, dass meine Vermutungen sich bewahrheiten würden.

In diesem Familienurlaub gab es einen Jungen, der das Herz von Janis höher schlagen ließ. Er war richtig, aber so richtig verknallt, wenn nicht sogar das erste Mal verliebt, in einen Jungen. Er wollte den Jungen unbedingt kennenlernen, er aß nicht mehr, er trank nicht mehr. Wie es eben so ist, wenn eine Armee von Schmetterlingen das Regiment übernimmt.

Es fühlte sich an wie eine große Erleichterung, auch wenn Janis sich noch nicht geoutet hatte. Er hatte ganz offensichtlich seinen Weg gefunden. Er wird Jungs und Männer lieben. Wer weiß, wie lange er schon mit seinen Gefühlen gehadert hatte und dachte, es stimmt etwas nicht mit ihm?

Weltuntergang? Nein, im Gegenteil, ich bin offen und tolerant für alles, gerade wenn es meine Kinder angeht.

Eine Katastrophe für den Vater

Was für mich das Normalste der Welt war, einen Sohn zu haben, der auf Männer steht und mir nie eigene Enkelkinder schenken wird, war für seinen Papa fast ein Weltuntergang. Sein Sohn schwul? Er wollte es einfach nicht wahrhaben, was ich schon lange gespürt hatte.

Für mich machte es einfach keinen Unterschied, auch nach der Trennung von seinem Vater nicht. Ich war und bin der Fels in der Brandung, die Schulter, an die er sich anlehnen kann, sein Bahnhof, in den er immer zurückkehren kann. Er ist mein Kind, welches ich 9 Monate unter meinem Herzen trug.

Endlich war es raus.

Mit 15 outete Janis sich dann endgültig mit den Worten: “Mama, ich bin schwul”. Auf der einen Seite wusste ich es ja schon lange, auf der anderen Seite war es endlich ausgesprochen. Ich beschäftigte mich intensiv mit dem Thema “Schwulsein”, recherchierte viel im Internet und kam zu der Erkenntnis, jeder Mensch ist so wie er ist, egal ob schwul, lesbisch, dick, dünn, was auch immer. Wir leben und lassen leben. Mein Sohn ist jetzt eben schwul, und das ist gut so.

Frischer Wind und hübsche Männer

Ich freute mich darauf, hübsche Männer in meinem Haus zu haben. Jeder war und ist willkommen. Auch als Janis seinen ersten, festen Freund hatte, machte ich ihm klar, dass er ihn jederzeit mit nach Hause bringen durfte. Ich räumte den Beiden Privatsphäre ein und überließ ihnen mein  “Bahnhof”, um Zeit miteinander zu verbringen.

Auch der Rest meiner Familie trat Janis nach seinem Outing positiv gegenüber und bestärkte ihn nur noch mehr. Ich denke, das war auch eine große Angst von seiner Seite.

Sie reagierten normal, denn für sie machte es überhaupt keinen Unterschied. Mit 15 so einen Schritt zu gehen, sich hinzustellen und eben kundzutun, dass man auf das gleiche Geschlecht steht, ist ein Riesenschritt.

Für Janis war es von Anfang an wichtig, dass er trotz seiner “weiblichen Ader ” auch noch Mann bleibt. Er mag eben gerne Mann sein. Vielleicht ist auch eine Art Schutzmauer, die er sich im Laufe der Jahre gegen Menschen aufgebaut hatte, die Schwulsein tatsächlich noch als unnormal und eine Krankheit bezeichnen. Ja, es gibt solche Menschen noch immer. Das Schlimmste daran ist, dass sie genau diese Einstellung an ihre Kinder weitervermitteln. Dafür fehlen mir einfach die Worte.

Love is love“

Für mich ist eines ganz klar: “Leben und leben lassen”.

Ich genieße es einfach, meinen Sohn um mich zu haben. Ich bin so happy, dass er er eines sein kann: Janis.

Ich liebe dich!

 

Deine Mama

Ödipuskomplex
Der Ödipuskomplex ist ein Begriff aus der Psychologie, der von Siegmud Freud geprägt wurde. Nach Freuds Theorie durchläuft jedes männliche Kind die so genannte „ödipale-“ oder „phallische Phase“, welche zum ersten Mal im dritten bis fünften Lebensjahr auftritt. In dieser Phase fühlt sich das Kind zu seiner Mutter hingezogen und sieht dabei den Vater als größten Konkurrenten an. (Quelle: www.gesundheit.de)

 

Ich heiße Sandra, bin 46, Sternzeichen Waage. Ausgeglichen bin ich, aber auch manchmal wie ein Fähnchen im Wind, schmeiße gerne Pläne innerhalb kürzester Zeit um, sehr zum Ärger meiner Familie, die sehr strukturiert ist.

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