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Mobbing- der lange Leidensweg

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Mobbing- der lange Leidensweg

Mobbing- der lange Leidensweg

Die Geschichte von Andrea und Hannah passiert jeden Tag an Deutschlands Schulen. Die Ausmaße können wir nur erahnen. Schulen schauen oftmals weg, anstatt präventiv Hilfe für alle zu holen. Zu teuer, zu kommerziell sind oft die Ausreden. Stellt euch endlich dieser Tatsache! Mobbing passiert tagtäglich und macht keinen Halt vor den unterschiedlichen Schichten in der Gesellschaft. Schützt eure Kinder!

 

Die ersten Signale

Aufgefallen war es ihr schon öfter. Ihre Tochter nahm immer mehr ab. Wenn sie gemeinsam GNTM schauten, Hannah die Pumps aus dem Schrank holte und nahezu perfekt auf gefühlten 15cm stöckelte, dann bemerkte sie es. Hannah war anders, nur in diesem Moment war sie einer anderen Welt und schien alles um sich herum zu vergessen.

Andrea sah die endlosen Beine ihrer Tochter, die leider ihre Generation übersprungen hatten. Wenn Hannah das Wohnzimmer zu einem Catwalk umwandelte, war sie ein Teil der GNTM Gemeinde.

Kein Gramm Fett und doch zu dick

Andrea schaute jedes Mal besorgniserregend auf ihre Tochter. Sie konnte jede Rippe sehen, es war kein Gramm Fett an diesem heranwachsenden Körper. Dennoch fühlte sich Hannah dick. Wenn Andrea fragte, wie sie darauf käme, sagte Hannah immer: „Romina hat das gesagt.“

Das Unheil nimmt seinen Lauf

Romina kam aus sehr schwierigen familiären Verhältnissen, das hatte Andrea am Rande mitbekommen. Sie fiel immer wieder auf durch Abwesenheit in der Schule und durch Streit mit anderen Mitschülern. Es fühlte sich für Andrea so an, als wenn Romina zu Haus keinerlei Liebe, Aufmerksamkeit und Zeit bekam. Als Mutter ist man einfach sensibel für solche Sachen. Dennoch konnte sie sich über die Lebensumstände kein Urteil erlauben. Es sollte sich aber im Laufe der Zeit ändern.

Hannah- Wo bist du nur?

Hannah veränderte sich von Tag zu Tag. Das sonst so lebensfrohe, beliebte Mädchen zog sich immer mehr zurück. Gut, im Teenager Alter kommt das mal vor. Die Kinder lieben es, in ihrem Zimmer zu chillen. Wenn man auf Fragen ein „Ja“, „Nein“ oder „War gut“ bekommt, gleicht das schon einem einstündigen Dialog. Aber auch dazu ließ sich Hannah nicht einmal mehr hinreissen. War es nur eine dieser vielen Phasen?

Mama, ich wünschte ich wäre tot.

Irgendwann musste sich Hannah auf einen Schullauf vorbereiten. Sie fragte Andrea, ob sie im nahe gelegenen Wald mit ihr zusammen trainieren könnte. Während des Trainings brach es dann aus Hannah heraus. Sie fing bitterlich zu weinen an und stammelte nur noch: „Mama, manchmal wünsche ich mir, ich würde nicht mehr leben.“ Andrea stockte der Atem, weil sie so etwas niemals von ihrer lebensfrohen Tochter erwartet hatte. Hannah schluchzte nur noch, schrie vor Wut, Angst und Trauer. Sie brach förmlich in sich zusammen. Jetzt war es also raus. Der Grund allen Übels hatte einen Namen. Romina mobbte Hannah schon seit geraumer Zeit.

Jeden Tag eine neue Schikane

Es waren zum Beispiel diese Machtspiele während der Pausen. An ihr vorbeigehen, sie anrempeln, mit anderen Schülerinnen tuscheln, auf sie zeigen. Freundinnen wandten sich plötzlich von Hannah ab. Sie verstand das alles nicht mehr. Vor einiger Zeit war noch alles in Ordnung. Hannah hing mit ihren Mädels ab, sie unternahmen alles Mögliche miteinander, was Teenies eben so machen. Plötzlich wollten sie nichts mehr mit ihr zu tun haben. Waren sie zu Mitläufern geworden, aus Angst ansonsten auf der Abschussliste zu stehen und das nächste Opfer zu sein? Es sprudelte nur so aus Hannah heraus. Sie weinte und weinte. Wie viel Druck hatte sich in ihr aufgebaut?  Wie verletzt war ihre Kinderseele bereits? Jetzt machten viele Verhaltensweisen und das Aussehen von Hannah für Andrea endlich einen Sinn.

Mobbing

Mobbing hatte Hannah in den letzten Monaten immer dünner werden lassen. Sie chillte in ihrem Zimmer, aber der Hauptgrund war, dass sie immer weiter abrutschte, in eine Form von Depressionen, die sie jeden Tag zweifeln ließen. Zweifeln an sich, an ihrem Leben. Hannah war gerade mal 13 Jahre. Bei knapp 1,60m brachte sie nur noch 34kg auf die Waage. Andrea schaffte es, einen Blick zu erhaschen, als Hannah wieder einmal ihr Gewicht kontrollierte. Romina hatte es ihr zum wiederholten Male gesagt, sie wäre zu dick. Dann diese ständigen Beleidigungen, die Hannah anonym erreichten. Leider konnte man Romina nichts nachweisen. Sie hatte ganze Arbeit geleistet. Andrea fühlte sich so hilflos, da sie nicht mehr an Hannah heran kam.  Jede Mutter kennt das wohl. Wir werden in solchen Situationen zu Löwinnen. Ist unser Kind in Gefahr, werden wir zu reißenden Raubtieren, die jede Gefahr aus dem Weg räumen.

Die Rache einer Mutter

Wie gerne wollte Andrea sich dieses Mädchen vorknöpfen? In schier unendlichen Szenarien malte sie sich aus, wie es wohl sein würde. Am Ende hätte es nur einer Person geschadet, ihrer Tochter. Deshalb suchte sie irgendwann den Kontakt zur Klassenlehrerin. Andrea wollte ein Gespräch mit der Mutter, mit den Kindern zusammen. Aus vergangenen Situationen wusste sie, dass die Mutter auch bei Elternabenden durch Abwesenheit glänzte. Sie wollte kein Telefongespräch, welches bereits einmal mit Auflegen beantwortet worden war. So forderte sie eben ein Gespräch in der Schule und bat die Klassenlehrerin um Vermittlung. Auch dieses Mal lehnte Rominas Mutter ein Gespräch ab. Für sie schien also alles in Ordnung zu sein.

Die Hilfe der Schule oder das Wegschauen der Lehrer

Andrea beharrte darauf, das Thema Mobbing beim Elternabend ansprechen zu lassen. Doch die Klassenlehrerin bat Andrea, über dieses Thema zu sprechen. Vielleicht lag es daran, dass die Lehrerin frisch von der Uni kam, in vielen Dingen mehr als unerfahren war. Es fehlte ihr Empathie und die nötige Gelassenheit. Für viele Menschen ist Lehrer in der heutigen Zeit eine Berufung, für die Klassenlehrerin war es nur der Wunsch, verbeamtet zu werden. Für viele Sachen fühlte sie sich nach 14 Uhr nicht mehr zuständig oder es war schlichtweg nicht ihre „Abteilung“, sehr zum Nachsehen ihrer Schülerinnen und Schüler.

Der Tag der Tage

So bereitete sich Andrea akribisch auf ihren Auftritt vor der Klasse vor. Aus ihrem eigentlichen Job als Personalreferentin kannte sie es, auch vor Leuten zu sprechen. Dabei ging es nicht um Emotionen, sondern meistens um Zahlen und Fakten. Aber wie wird es wohl werden, wenn sie alle Eltern darüber informierte, wie es um Hannah stand, welchen täglichen Schikanen sie ausgesetzt war? Als die Lehrerin die Tagesordnung verlas, wurde Andrea immer nervöser. Punkt 8 des Abends war ihr Auftritt. Die anderen Punkte nahm sie gar nicht wahr. Alles rauschte nur in ihren Ohren. Nach gefühlten Stunden war sie dann an der Reihe. Die Lehrerin bat sie, nach vorne zu kommen. Die Fragezeichen über den Köpfen der anderen Eltern konnte sie beim Nachvornegehen förmlich sehen.

Die lang ersehnte Hilfe- die Eltern

Da stand sie, alleine mit ihrem Buch, in dem sie sich hunderte Notizen gemacht hatte. In ihrer Aufregung ließ sie das Buch zu. Andrea merkte, wie ihre Mundwinkel anfingen zu zittern. Sie kämpfte mit den Tränen, und ihre Stimme versagte fast.

„Hannah wiegt nur noch 34kg, bei knapp 1,60m. Hannah wird seit einigen Monaten von einer Mitschülerin gemobbt. Sie möchte manchmal einfach nicht mehr leben. Jeden Tag passieren neue Gemeinheiten. Im Netz wird sie beschimpft, als Hure bezeichnet. Es muss einfach aufhören!“

Stille- Schock- Wut

Schweigen im Raum, man hätte wohl ein Blatt Papier fallen lassen können und es gehört. Andrea schaute in entsetzte Gesichter. So betroffen hatte sie noch niemanden der Eltern gesehen. Es dauerte Minuten bis der Elternvertreter das Wort ergriff, sichtlich gerührt. Das Schlimme an der ganzen Sache war, jeder der Eltern wusste sofort, um wen es geht. Andrea hatte natürlich bewusst keine Namen genannt. Auch nicht den Namen der Mitläuferin, deren Mutter anwesend war. Aber sie konnte erkennen, wie peinlich berührt sie war. Andrea hatte sich gewünscht, dass diese Mutter das Wort ergriff, Stellung bezog. Fehlanzeige, wie immer. Rominas Mutter hingegen hatte wieder einmal Wichtigeres vor, als sich um die Schulbelange ihrer Tochter zu kümmern. Aber das war Andrea in diesem Augenblick total egal. Das erste Mal wurde sie erhört. Menschen schenkten ihr Gehör, nahmen ihre Worte ernst. Das alles hatte schon lange nichts mehr mit Teenagergehabe und Zickereien zwischen Mädchen zu tun. Hannah durchlebte die Hölle auf Erden, und das hatten auch die anderen Eltern erkannt.

Hilfe und Zuspruch, aber nicht von der Schule

Andrea erfuhr nach dem Elternabend eine regelrechte Welle der Hilfe, aber „nur“ seitens der Elternteile. Bei der Schule stieß sie auf taube Ohren. Sie appellierte an den Direktor, dass unbedingt etwas präventiv unternommen werden musste, dass jeder in seinem Leben schon mal Täter war. Auch die Erwachsenen konnten und können sich nicht davon ausnehmen. Schon mit dem Satz: „Wie siehst du denn aus?“ ist man auf dem besten Weg in eine Art Täterrolle zu schlüpfen.

Aber Andrea stieß beim Direktor auf taube Ohren. Er war vielmehr damit beschäftigt, den vermeintlich guten Ruf der Schule zu wahren.

Die Verdrängungstaktiken der Schule

An seiner Schule? Mobbing? Dass es nicht der erste Fall und die Dunkelziffer noch viel höher war, blendete er einfach aus. Das Gespräch endete für Andrea in einem Desaster. Aber sie erfuhr so wahnsinnig viel Hilfe von Seiten der Eltern. Sie hatte einen Stein ins Rollen gebracht. Das erste Mal erkannte sie, dass es eben Menschen gibt, die nicht wegschauen, wie leider noch häufig viele in unserer Gesellschaft. Nach dem Motto:“ Ist ja nicht mein Kind, ich kümmere mich nicht darum.“

Elterninitiativen- für Opfer und Täter

Die Eltern organisierten ein Seminar für die Kinder, mit einem Trainer, der sich auf das Thema Mobbing spezialisiert hat. Er sprach und spricht die Sprache der Jugendlichen. Täter und Opfer werden auf eine Stufe gestellt. Reihenweise kamen neue Intrigen von Romina ans Tageslicht.Hannah war nicht das einzige Mädchen, welches als Opfer auserkoren wurde, aber scheinbar das schwächste. So schlimm das Ganze auch is, aber den Tätern  muss auch geholfen werden. Niemand wird einfach so zu einem regelrechten Monster. Es ist auch eine Art Hilfeschrei. Aber das is Aufgabe von Experten. Die Täter sollten ebenso wie die Opfer nicht fallen gelassen werden.

Schaut nicht weg!

Wacht endlich auf Leute! Es kann morgen auch eure Kinder betreffen. Vielleicht ist euer Kind schon betroffen und sagt es euch nur nicht, aus Angst vor den Peinigern? Was muss erst noch passieren, damit dieses Thema ernst genommen wird? Prävention gegen Mobbing sollte schon viel früher mit in den Stundenplan der Schulen aufgenommen und somit im Keim erstickt werden. Wir brauchen Menschen, die an Schulen aufklären, die die Sprache der Jugendlichen sprechen.

Die Folgen für Andrea und Hannah

Der Fall von Andrea und ihrer Tochter nahm zum Glück noch ein einigermaßen gutes Ende. Die Täterin verließ die Schule. So kehrte langsam Ruhe in die Klasse ein. Aber die Narben auf Hannahs Seele sind groß. Schnell rutscht sie in die Opferrolle hinein und verfällt wieder in alte Muster. Rückzug, Selbstzweifel, geringes Selbstwertgefühl. Andrea ist ständig alarmiert. Das erste Mal hat Hannah selbst den Wunsch geäußert, eine Therapie zu machen, um endlich stark zu sein.

Wacht auf!

Seid da für eure Kinder und schenkt ihnen Gehör! Die virtuelle Welt, in der wir uns heutzutage bewegen, macht sehr viel kaputt. Wir haben verlernt, miteinander zu kommunizieren. Legt öfter mal das Handy weg und fangt an, miteinander zu reden! Beobachtet eure Kinder und denkt immer daran: Mobbing ist kein Kavaliersdelikt!

Was heute weit weg zu sein scheint, kann euch morgen persönlich treffen.

Schützt eure Kinder!

 



Ich heiße Sandra, bin 46, Sternzeichen Waage. Ausgeglichen bin ich, aber auch manchmal wie ein Fähnchen im Wind, schmeiße gerne Pläne innerhalb kürzester Zeit um, sehr zum Ärger meiner Familie, die sehr strukturiert ist.

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