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Das blonde Mädchen ohne Namen

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Das blonde Mädchen ohne Namen

Bild von Jackie_Chance auf Pixabay

Das blonde Mädchen ohne Namen

Frankfurt ist eine der reichsten Städte Deutschlands. Banken, Geld, Reichtum, aber auch sozialer Abstieg, Drogenszenen und Prostitution sind dort zu finden. Es war nur ein kurzer Augenblick, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht.

Wer bist du?

Ich werde dein Gesicht wohl nie vergessen, obwohl ich dich nur einen Moment sah. Schon dein Anblick von hinten ließ mich nicht mehr los. Deine Haare waren schlimm gefärbt, dein Ansatz war meilenweit vom Rest der Farbe entfernt. Deine Kleidung war schmutzig, deine Strumpfhose übersät von Löchern und Laufmaschen. Du standest am Straßenrand. Wahrscheinlich wartest du auf keinen Freund, auf keine Freundin, sondern auf einen Freier, mit dem du irgendwo hinfahren würdest. Ich sah in deine leeren Augen. Dein Anblick von vorne ließ mich dich förmlich anstarren. Wie alt du wohl warst?

Du könntest meine Tochter sein

Nicht viel älter als meine Tochter. 18, 19 Jahre? Dein Gesicht war gezeichnet von Alkohol, Drogen, dem Leben auf der Straße und dem täglichen Kampf um das Überleben. Um an deine Drogen zu kommen, hast du deine Seele schon längst verkauft und dich und dein Leben aufgegeben. Was wohl passiert ist? Was dich zu dem gemacht hat, was du jetzt bist? Eine junge Frau, die das Leben noch vor sich hat, aber es alleine sicherlich nicht mehr schafft, aus dieser Drogenhölle herauszukommen. Wie lange wird dein Körper dem noch standhalten? All das geht mir durch den Kopf, während meine Begleitung und ich unmittelbar an dir vorbeigehen. Seitdem kann ich dein Gesicht nicht mehr vergessen.

 

Wo ist deine Familie?

Wo sind deine Eltern? Wissen sie, was mit dir ist? Fragen über Fragen, die mich seither beschäftigen. Obwohl ich dich nur eine Minute gesehen habe. Ich bin Mama, bin selbst behütet aufgewachsen, habe nie irgendwelche harten Drogen konsumiert. Ja, ich habe Zigaretten geraucht und auch gerne mal gefeiert. Aber eine Sache war mir immer wichtig: Nie die Kontrolle über meinen Körper und mich zu verlieren, irgendwelche Substanzen zu konsumieren. Das habe ich auch so an meine Tochter weitergegeben. Inzwischen rauche ich schon lange nicht mehr und trinke ab und an mal Alkohol. Kontrolliert!

Aufklärung und Sensibilisieren

Nein, wir können es nicht verhindern oder verbieten, aber wir müssen unsere Kinder dafür sensibilisieren und rechtzeitg aufklären. Hat dich jemand aufgeklärt, was Drogen mit dir machen können? Umgang formt den Menschen sagt man gerne. Aber Drogenmissbrauch ist in allen Gesellschaftsschichten zu finden. Damit meine ich nicht Alkohol oder Zigaretten, sondern Kokain, Ecstasy und andere harte Drogen. Jugendliche fühlen sich oftmals cool, wenn sie jeden Tag Joints konsumieren. Es ist keine Seltenheit mehr, dass auf Schulen mit Gras gedealt wird, um dann gemütlich und chillig high zu werden. Furchterregend!

„Hast du auch so begonnen? Ich werde es nie erfahren.“

 

Das erste Mal im Bahnhofsviertel

Es war das erste Mal, dass ich das Bahnhofsviertel in Frankfurt mit eigenen Augen gesehen habe. Damit meine ich das Viertel und seine Drogenszene. Ich werde diese Bilder wohl nicht so schnell aus meinem Kopf bekommen. Obwohl ich in Hamburg beziehungsweise jetzt außerhalb im Randgebiet lebe, habe ich in all diesen Jahren so etwas nicht gesehen. Auch Hamburg hat seine Drogenszene, das ist mir bekannt.  Am hellichten Tag, in einer der reichsten Städte Deutschlands, in Frankfurt diese Menschen zu sehen. Menschen, die die Gesellschaft aufgegeben hat, weil sie sich selbst aufgegeben haben. Bei manchen von ihnen ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis sie aus diesem Leben scheiden, weil ihr Körper es nicht mehr schafft oder sie selbst den Tod wählen. Eine Kluft, die immer größer zu werden scheint. Diese Menschen werden geduldet, die Stadt resigniert wahrscheinlich. Polizei? Machtlos und chancenlos, sich in der Unterzahl in dieses Gebiet zu begeben. Es riecht unerträglich nach Urin, die Menschen liegen in ihrem Erbrochenen, zu high vom letzten Schuss. Kranke, abgemagerte Körper torkeln an uns vorbei.

 

Der nächste Schuss

An einem Hauseingang zieht sich ein Junkie Crack rein, ein anderer Mann bindet sich den Arm ab, weil er sich die nächste Dosis in die Venen jagen will. Sein Körper zittert vor Entzug. Glasscherben, Blut, Spritzen liegen teilweise in den Eingängen. Ich bekomme diese Bilder einfach nicht mehr aus meinem Kopf. Zwischendrin ist es ein ganz normaler Samstag. Leben, Trubel, Touristen auf den Straßen unterwegs. Wir gehörten ja auch dazu. Mein Freund hatte mich schon gewarnt, dass es schlimm sein wird. Ich dachte, ich bin gewappnet. Aber weit gefehlt, es geht mir auch nach Tagen sehr nahe. Besonders, als ich dich sah, mit deinen blonden Haaren. Du wolltest noch schön aussehen, obwohl dein Leben es schon lange nicht mehr ist.

Das harte Leben auf der Straße

Wo du wohl schläfst? Auch inmitten der Anderen? Es schien für einen Moment, wie eine Einheit zu sein, als ich die Drogenabhängigen dort liegen sah, auf einem Meer von Matratzen, voll mit Urin, Kot und anderen Flüssigkeiten. Aber ich bin fest der Überzeugung, dass es am Ende des Tages nur darum geht, zu überleben. Es gibt keine Freundschaft, Verbundenheit, sondern nur den Kampf, an den nächsten Schuss zu kommen. Die Dealer, sie wissen um das schmutzige Geschäft. Sie haben ihren Auftritt, am hellichten Tag. Egal, ob Passanten vorbeigehen oder nicht. Das kann doch nicht der Sinn der Großstädte und Deutschland sein? Keine Macht den Drogen! Um dieses immer größer werdende Problem sollten wir uns kümmern. Am besten gestern! Ein Moment, der mein Leben, meine Denkweise geändert hat. Ich bin so dankbar für mein Leben, das ich mit meiner Tochter führen kann. Auf der anderen Seite bin ich mir sicher, dass es dort auf den Straßen von Frankfurt sicherlich Menschen gibt, die irgendwann den Absprung einfach nicht geschafft haben und von ihrem Umfeld fallen gelassen worden sind.

 

Du bist sicherlich auch so ein Mensch. Das blonde Mädchen, ohne Namen, mit vielen Narben auf der Seele und im Gesicht. Ich werde dich nie wiedersehen, wünsche mir, dass du es irgendwie schaffst, dieser Hölle zu entkommen. Das Leben ist jetzt und nicht irgendwann. Und irgendwann wird für dich vielleicht bald sein. Dann gibt es dich nicht mehr.

 

Ich heiße Sandra, bin 46, Sternzeichen Waage. Ausgeglichen bin ich, aber auch manchmal wie ein Fähnchen im Wind, schmeiße gerne Pläne innerhalb kürzester Zeit um, sehr zum Ärger meiner Familie, die sehr strukturiert ist.

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